Ankunft im Dunkeln


Ich bin mittags in Iquitos angekommen.

Der erste Tag war noch Stadt.
Laut, heiß, bewegt.
Gespräche, Treffen, erste Kontakte.

Am zweiten Tag hat sich etwas verschoben.

Es gab Gespräche, Planungen, auch Reibung.
Ein Moment, in dem klar wurde, dass nicht alles so läuft, wie man es sich vorher vorstellt.

Und dann, relativ spontan, am Nachmittag:

„Lass uns heute noch nach Tamshiyacu fahren.“

Keine lange Vorbereitung.
Keine große Planung.

Einfach los.

—-

Wir haben das letzte Boot genommen.

Die Fahrt ging in die Dämmerung hinein.
Das Licht wurde weicher, die Konturen verschwammen langsam.

Als wir ankamen, war es bereits dunkel.

Am Ufer wurden wir abgeholt.
Ein kleines Tuk-Tuk, eine halbe Stunde raus aus dem Ort, immer weiter weg von Licht, von Straßen, von dem, was noch nach Struktur aussah.

Dann war Schluss.

Der Rest zu Fuß.
Der Weg ins Camp war vielleicht zehn Minuten lang.
Etwa sechshundert Meter.

Über Wurzeln.
Über unebenen Boden.
Leicht bergauf, wieder runter.

Es war komplett dunkel.

Keine Beleuchtung.
Nur Stirnlampen.

Du siehst immer nur den kleinen Ausschnitt vor dir.
Der Rest ist schwarz.

Geräusche sind da.
Der Wald ist da.
Aber du kannst ihn nicht sehen.

Du gehst einfach.

Schritt für Schritt.

—-

Im Camp angekommen, war alles ruhig.

Es war vorbereitet.
Ein Platz zum Schlafen.
Ein Bett.

Kein großes Ankommen.
Kein Ritual.

Einfach hinlegen.

Aufwachen

Am nächsten Morgen bin ich früh wach geworden.

Gegen sechs.

Die Sonne geht dort schnell auf.
Und genauso schnell wird es hell.

Ich bin aufgestanden und rausgegangen.

Und in diesem Moment hat sich alles verändert.

—-

Der Wald war da.

Nicht mehr dunkel.
Nicht mehr nur Geräusch.

Sondern sichtbar.

Licht fiel durch die Bäume.
Feine Sonnenstrahlen, die durch die Blätter gebrochen sind.
Dunst lag in der Luft, ganz leicht, fast schwebend.

Die Geräusche waren die gleichen wie in der Nacht.
Aber jetzt hatten sie einen Raum.

Vögel.
Bewegung.
Leben.

—-

Ich bin durch das Camp gelaufen, ohne genau zu wissen, wohin.

Bin auf eines der höher gelegenen Gebäude gegangen.
Habe von oben geschaut.

Und da war dieser Moment:

Ich bin im Dschungel.

Nicht als Idee.
Nicht als Bild.
Sondern wirklich.

—-

Es war kein spektakulärer Moment im klassischen Sinn.

Kein „Wow“ im Außen.

Eher etwas Ruhiges.

Klar.

Ein Gefühl von:
Ich bin angekommen.

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Alles war einfach.

Keine Ablenkung.
Keine Struktur, die mir sagt, was jetzt passiert.

Nur dieser Ort.

Und ich mittendrin.

—-

Rückblickend war das einer der wichtigsten Momente der ganzen Reise.

Nicht, weil etwas Besonderes passiert ist.

Sondern weil etwas weg war.

Und dadurch wurde etwas anderes sichtbar.