Es war die erste Zeremonie.
Sie war gerade zu Ende gegangen.
Das Licht im Tempel war wieder leicht an, dieses dämmerige, weiche Licht nach der Dunkelheit.
Die Menschen saßen in kleinen Gruppen zusammen, leise Gespräche, ein langsames Zurückkommen.
Die ganze Situation war am Ausklingen.
Ich war erschöpft.
Ich habe mich einfach wieder auf meinen Platz gesetzt, auf die Bank, ohne groß nachzudenken.
Der Körper war noch offen, noch weich von der Zeremonie.
Und dann kam dieser Schmerz.
Plötzlich.
Am linken Oberschenkel, außen.
Ich habe instinktiv hingeschlagen.
Ein kurzer Moment — und sofort ein deutliches Brennen.
Nicht diffus, sondern sehr klar. Punktuell. Direkt.
Ich wusste nicht, was es ist.
Der Schmerz war stark genug, dass ich reagiert habe.
Und offensichtlich auch so, dass es die anderen mitbekommen haben.
„Was ist los?“
Leute kamen zu mir.
Licht ging an.
Ich habe selbst nicht genau verstanden, was passiert ist.
„Keine Ahnung… plötzlich hier… ein Stechen.“
Wir haben geschaut.
Da war nichts zu sehen, was sofort eindeutig war.
Aber es war klar: da war etwas.
Ein Tier.
Und dann wurde die Raupe entdeckt.
Klein.
Unspektakulär.
Und trotzdem genau das, was diesen Schmerz ausgelöst hatte.
Ich hatte Glück.
Ich hatte sie nicht zerdrückt, sondern nur Kontakt mit ihr gehabt.
Der Schmerz blieb.
Brennend, deutlich.
So fünfzehn, vielleicht zwanzig Minuten.
Nicht gefährlich.
Aber intensiv genug, dass du es nicht ignorierst.
Was in dem Moment viel stärker war als der Schmerz, war der kurze Schreck.
Dieses Gefühl von:
Ich weiß gerade nicht, was hier passiert.
Und gleichzeitig war ich nicht allein.
Die anderen waren sofort da.
Haben geschaut.
Haben geholfen.
Und relativ schnell war klar:
Es ist nur eine Raupe.
Nichts Dramatisches.
Teil dieses Ortes.
Die Situation hat sich genauso schnell wieder beruhigt, wie sie entstanden ist.
Der Schmerz ließ nach.
Die Gespräche gingen weiter.
Der Abend lief aus.
Und trotzdem bleibt so etwas hängen.
Nicht als Angst.
Sondern als Erinnerung daran, wo man ist.
Dass dieser Ort nicht für dich gemacht ist.
Dass du dich in ihm bewegst.
Und dass genau darin auch ein Teil der Erfahrung liegt.