Kontrolle bezeichnet die Annahme, dass Handlungen, Gedanken und Ergebnisse gezielt gesteuert werden können. Sie erscheint als Fähigkeit eines handelnden Ichs, Abläufe zu bestimmen und Einfluss auf den Verlauf von Ereignissen zu nehmen. Dieser Eindruck entsteht aus der Erfahrung, dass Absichten und Handlungen häufig miteinander übereinstimmen.
Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass viele Prozesse bereits ablaufen, bevor sie bewusst erkannt werden. Gedanken entstehen, Impulse treten auf, Entscheidungen formen sich, ohne dass ihr vollständiger Ursprung zugänglich ist. Das Gefühl von Kontrolle entsteht oft im Nachhinein, wenn Handlungen mit einer erklärenden Geschichte versehen werden.
Der Verstand verbindet Wahrnehmung, Absicht und Handlung zu einem konsistenten Ablauf. Dadurch entsteht der Eindruck, ein zentrales Ich steuere das Geschehen. Diese Struktur ist funktional, da sie Orientierung und Verantwortlichkeit ermöglicht. Gleichzeitig verdeckt sie, dass viele Abläufe nicht bewusst initiiert, sondern lediglich bewusst wahrgenommen werden.
Kontrolle ist daher weder vollständig vorhanden noch vollständig abwesend. Sie zeigt sich als begrenzte Einflussnahme innerhalb eines größeren Zusammenhangs. Bestimmte Handlungen können bewusst gelenkt werden, während andere Prozesse unabhängig davon ablaufen. Die Grenze zwischen beidem ist nicht eindeutig festgelegt.
Kontrolle erfüllt damit eine doppelte Funktion. Sie ermöglicht gezieltes Handeln, ohne die vollständige Steuerung des Geschehens zu garantieren. Sie wirkt als Ordnungsprinzip innerhalb der Erfahrung, ohne deren Ursprung vollständig zu bestimmen.