Projektion und Spiegelung beschreiben, wie eigene Inhalte im Verhalten und in der Wahrnehmung anderer wiedererkannt werden. Eigenschaften, Bewertungen und Erwartungen, die im eigenen Erleben vorhanden sind, werden auf andere übertragen und erscheinen dort als deren Merkmale. Dieser Prozess geschieht meist unbewusst und wirkt unmittelbar, da das Wahrgenommene als Eigenschaft der anderen Person interpretiert wird.
Wahrnehmung ist dabei nicht neutral. Der Verstand ergänzt Beobachtungen mit bestehenden Mustern und ordnet ihnen Bedeutung zu. Dadurch entsteht ein Bild des Gegenübers, das sowohl auf tatsächlichem Verhalten als auch auf eigener Interpretation beruht. Projektion bedeutet nicht, dass alles ausschließlich aus dem eigenen Inneren stammt, sondern dass Wahrnehmung immer durch eigene Strukturen gefiltert ist.
Spiegelung beschreibt die Rückwirkung dieses Prozesses. Reaktionen anderer können Aspekte sichtbar machen, die im eigenen Erleben bereits vorhanden sind. Bestimmte Verhaltensweisen lösen stärkere Resonanz aus, weil sie mit bestehenden Inhalten übereinstimmen oder ihnen widersprechen. Dadurch entsteht die Möglichkeit, eigene Muster indirekt zu erkennen.
Die Wahrnehmung von Projektion führt nicht zu der Annahme, dass andere lediglich Abbilder des eigenen Inneren sind. Vielmehr zeigt sie, dass Beziehung aus einem Zusammenspiel entsteht. Verhalten anderer wirkt auf das eigene Erleben, während dieses Erleben gleichzeitig die Wahrnehmung formt. Beide Ebenen sind miteinander verknüpft.
Ein veränderter Umgang mit Projektion und Spiegelung besteht darin, Wahrnehmung als Teil dieses Prozesses zu erkennen. Reaktionen können als Hinweis auf eigene Strukturen verstanden werden, ohne dass die Eigenständigkeit des Gegenübers negiert wird. Dadurch entsteht eine differenzierte Sicht, in der sowohl Verbindung als auch Unterschied bestehen bleiben.