Umgang mit Kontrolle verändert sich, wenn Kontrolle nicht mehr als umfassende Fähigkeit verstanden wird, Gedanken, Emotionen und äußere Ereignisse vollständig zu steuern. Sie erscheint im Alltag als selbstverständlich, da viele Handlungen mit Absichten übereinstimmen. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass Kontrolle nur innerhalb bestimmter Grenzen wirkt und viele Prozesse unabhängig davon ablaufen.
Der Eindruck von Kontrolle entsteht häufig im Nachhinein. Handlungen, Entscheidungen und Gedanken werden im Rückblick mit einer erklärenden Geschichte versehen, die den Eindruck erzeugt, sie seien bewusst initiiert worden. Diese Einordnung schafft Kohärenz und Orientierung, verdeckt jedoch, dass viele Abläufe bereits begonnen haben, bevor sie bewusst wahrgenommen werden.
Der Versuch, Kontrolle auszuweiten, führt oft zu erhöhter Anspannung. Je stärker der Anspruch wird, alles im Griff haben zu müssen, desto deutlicher zeigen sich die Grenzen dieser Fähigkeit. Unvorhersehbare Ereignisse, spontane Gedanken und emotionale Reaktionen lassen sich nicht vollständig verhindern oder steuern. Kontrolle stößt dort an ihre Grenze, wo Prozesse nicht vollständig zugänglich sind.
Ein veränderter Umgang mit Kontrolle besteht darin, ihre Reichweite realistisch einzuordnen. Einfluss bleibt möglich, ohne dass vollständige Steuerung vorausgesetzt wird. Handlung kann bewusst gestaltet werden, während gleichzeitig anerkannt wird, dass nicht alle Faktoren kontrollierbar sind.
Kontrolle verliert dadurch ihren absoluten Anspruch und wird zu einem funktionalen Werkzeug. Sie dient der Orientierung und Struktur, ohne den gesamten Verlauf von Erfahrung bestimmen zu können.