Widerstand und Loslassen beschreiben zwei Weisen des Umgangs mit Erfahrung. Widerstand entsteht, wenn das, was wahrgenommen wird, nicht mit den eigenen Erwartungen oder Bewertungen übereinstimmt. Es bildet sich der Impuls, bestimmte Inhalte zu vermeiden, zu verändern oder zurückzuhalten. Dieser Impuls wirkt unmittelbar und verstärkt die Wahrnehmung dessen, worauf er sich richtet.
Widerstand richtet sich nicht nur auf äußere Ereignisse, sondern auch auf Gedanken und Emotionen. Bestimmte Inhalte werden als unerwünscht markiert und sollen nicht auftreten. Dadurch entsteht eine zusätzliche Ebene der Reaktion, in der nicht nur die ursprüngliche Erfahrung vorhanden ist, sondern auch die Ablehnung dieser Erfahrung. Diese doppelte Struktur kann die Intensität des Erlebens erhöhen.
Der Versuch, Widerstand vollständig aufzulösen, führt häufig zu einem neuen Anspruch. Loslassen wird dann als Ziel verstanden, das erreicht werden muss. Dadurch entsteht erneut ein Spannungsfeld, in dem das, was ist, verändert werden soll. Auch dieser Prozess kann zu weiterer Anspannung führen, da er auf Kontrolle basiert.
Ein veränderter Umgang mit Widerstand besteht darin, ihn selbst als Teil der Erfahrung zu erkennen. Widerstand kann wahrgenommen werden, ohne dass er sofort verändert oder überwunden werden muss. In diesem Erkennen verliert er einen Teil seiner verstärkenden Wirkung, da die zusätzliche Ablehnung nicht weitergeführt wird.
Loslassen beschreibt in diesem Zusammenhang keinen aktiven Vorgang, sondern das Ausbleiben von weiterem Widerstand. Wenn der Versuch entfällt, Erfahrung zu verändern oder festzuhalten, entsteht Raum für Veränderung, ohne dass sie erzwungen wird. Loslassen ist damit kein Ziel, sondern eine Folge davon, dass Widerstand nicht weiter aufrechterhalten wird.