Ich glaube, dass das Leben aus einer ununterbrochenen Folge von Entscheidungen besteht.
Manche davon treffen wir bewusst, viele laufen unbewusst ab. Bereits im Alltag entscheide ich ständig. Ich stehe auf oder bleibe liegen. Ich gehe nach links oder nach rechts. Ich hebe die Hand. Ich sage etwas oder schweige. Jede Handlung setzt eine Entscheidung voraus. Diese Entscheidungen sind im Außen sichtbar.
Weniger offensichtlich sind die Entscheidungen im Inneren. Auch dort findet fortlaufend etwas statt. Gedanken tauchen auf, Erinnerungen werden aktiviert, Situationen werden bewertet und Vorstellungen entstehen. Ich weiß nicht, ob ich entscheiden kann, welcher Gedanke als Nächstes erscheint. Vieles spricht dafür, dass diese Prozesse unbewusst ablaufen und von Erfahrungen, Prägungen und Glaubenssätzen beeinflusst werden.
Ich kann jedoch beobachten, was in mir auftaucht. Und ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe. Ich kann einen Gedanken bestätigen, ihn weiterdenken, ihn verwerfen oder ihn in eine Handlung umsetzen. Ich kann ihn aber auch einfach vorbeiziehen lassen.
Wie ich mit meinen Gedanken umgehe, liegt in meiner Verantwortung. Entscheidung und Verantwortung gehören deshalb für mich untrennbar zusammen.
Ich unterscheide deshalb zwei Ebenen der Entscheidung: die innere Entscheidung im Umgang mit meinen Gedanken und die äußere Entscheidung, die sich in meinem Handeln zeigt. Beide Ebenen beeinflussen sich gegenseitig. Gedanken führen zu Handlungen. Handlungen führen zu Erfahrungen. Erfahrungen prägen wiederum die Gedanken, die zukünftig in mir entstehen.
Deshalb besteht das Leben für mich aus einer fortlaufenden Kette von Entscheidungen – im Innen wie im Außen.
Wie groß meine tatsächliche Entscheidungsfreiheit dabei ist, bleibt für mich eine offene philosophische Frage. Studien legen nahe, dass manche Entscheidungen bereits unbewusst vorbereitet werden, bevor sie dem Bewusstsein zugänglich werden. Gleichzeitig erlebe ich, dass ich Einfluss darauf habe, wie ich mit dem umgehe, was in mir und um mich herum geschieht. Genau darin scheint für mich der Raum zu liegen, den ich als Entscheidung bezeichne.