Trigger


Das Verhalten eines anderen Menschen kann etwas in mir auslösen. Ich nehme etwas wahr, höre einen Satz oder beobachte eine Handlung und merke, dass in mir Widerstand entsteht. Etwas stößt negativ in mir auf. Ich werde wütend, verletzt, abweisend, unsicher oder merke schlicht: Das lässt mich nicht in Ruhe.

Diesen Moment nenne ich einen Trigger.

Für mich ist ein Trigger ein wertvoller Hinweis. Wenn mich etwas im Außen berührt, gehe ich davon aus, dass das Beobachtete auch etwas mit mir zu tun hat. Etwas, das ich im anderen wahrnehme und bewerte, findet in irgendeiner Form auch in mir eine Entsprechung und ist dort noch nicht vollständig befriedet oder integriert.

Der andere löst etwas aus. Die Reaktion entsteht in mir.

Was wird mir gespiegelt?

Wenn ich mich an einem anderen Menschen stoße, interessiert mich deshalb nicht nur sein Verhalten. Mich interessiert meine eigene Reaktion darauf.

Was genau lehne ich ab? Welche Bewertung entsteht in mir? Wo kommt Widerstand auf? Welche Angst, Verletzung, Erwartung oder welcher Glaubenssatz wird berührt?

Das Gespiegelte muss für mich dabei nicht dieselbe äußere Handlung sein. Wenn mich beispielsweise Kontrolle bei einem anderen Menschen stört, kann sich die Spiegelung auch darin zeigen, dass ich meine eigene kontrollierende Seite ablehne, Kontrolle selbst erfahren habe oder große Angst davor habe, kontrolliert zu werden.

Entscheidend ist für mich: Etwas in mir reagiert. Und genau diese Reaktion macht sichtbar, dass dort etwas vorhanden ist, das Aufmerksamkeit braucht.

Spiegelung als Hinweis

Andere Menschen werden für mich dadurch zu Spiegeln. In Beziehung werden Anteile sichtbar, die ich alleine möglicherweise nicht wahrnehmen würde. Eine Begegnung kann Freude, Nähe, Angst, Ablehnung, Eifersucht, Kontrolle oder Widerstand in mir hervorrufen.

Ich kann meinen Blick beim anderen lassen und sein Verhalten bewerten. Oder ich kann meine Wahrnehmung zurück zu mir nehmen und fragen: Warum stößt genau das in mir auf?

Diese Frage verändert für mich die Richtung. Der andere bleibt Auslöser. Der Trigger gehört zu mir.

Darin liegt Verantwortung. Ich entscheide, ob ich ausschließlich auf das Verhalten des anderen reagiere oder ob ich nutze, was mir meine eigene Reaktion zeigt.

Widerstand zeigt mir, wo etwas noch nicht befriedet ist

Für mich zeigt sich Integration darin, dass etwas seinen emotionalen Zugriff auf mich verliert. Ich kann ein Verhalten weiterhin ablehnen oder eine Grenze setzen, ohne dabei meine innere Mitte zu verlieren.

Solange etwas starken Widerstand in mir erzeugt, gehe ich davon aus, dass dort noch etwas zu betrachten ist. Vielleicht eine alte Erfahrung. Vielleicht ein Glaubenssatz. Vielleicht Angst. Vielleicht ein Anteil von mir, den ich nicht sehen möchte.

Der Trigger wird dadurch zu einem Wegweiser. Er zeigt mir, worauf ich meine Aufmerksamkeit legen kann, vielleicht sogar sollte. Diese Selbstreflexion führt oftmals zu Erkenntnissen über mich und mein Denken, meine Muster und unbewussten Glaubenssätze.

Danke für dieses Aufzeigen

Die Spiegelung durch andere Menschen empfinde ich deshalb als wertvoll für meine Entwicklung. Auch unangenehme Begegnungen können mir etwas zeigen, das ich ohne diesen Kontakt vielleicht nicht erkannt hätte.

Da ich nicht an Zufall glaube, betrachte ich auch die Menschen, denen ich begegne, als Teil meiner Erfahrung. Manche Begegnungen sind leicht, andere schmerzhaft. Manche bringen Nähe, andere Widerstand. Für mich tragen sie alle die Möglichkeit in sich, etwas über mich selbst zu erkennen.

Deshalb kann aus einem Trigger irgendwann sogar Dankbarkeit entstehen.

Nicht unbedingt für das Verhalten des anderen, sondern für das, was dadurch in mir sichtbar geworden ist.

Wenn mich etwas triggert, zeigt es mir, wo in mir noch etwas gesehen, verstanden und befriedet werden möchte.


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