Bewertung


Bewertung ist der Moment, in dem aus einer Wahrnehmung Bedeutung entsteht.

Der Beobachter nimmt wahr.
Der Verstand bewertet.

Er ordnet das Wahrgenommene ein, vergleicht es mit bereits Bekanntem und beantwortet unbewusst oder bewusst Fragen wie:

  • Ist das gut oder schlecht?
  • Ist das richtig oder falsch?
  • Ist das gefährlich oder sicher?
  • Ist das wichtig oder unwichtig?

Erst durch diese Bewertung entsteht die persönliche Bedeutung einer Situation.

Dasselbe Ereignis kann deshalb für zwei Menschen völlig unterschiedlich erscheinen. Nicht weil sie unterschiedliche Realität erleben, sondern weil sie dieselbe Wahrnehmung unterschiedlich bewerten.

Die Bewertung geschieht selten isoliert. Sie entsteht aus allem, was den Verstand bereits geprägt hat: Erfahrungen, Erinnerungen, Konzepte, Glaubenssätze, Ideologien und Erwartungen. Deshalb ist sie meist schneller, als sie bewusst bemerkt wird.

Jede Bewertung beeinflusst wiederum das weitere Denken. Sie entscheidet, welchen Gedanken Aufmerksamkeit geschenkt wird und welche verworfen werden. Aus ihr entstehen Emotionen, Entscheidungen und schließlich Handlungen.

Bewertung bildet damit die Brücke zwischen Wahrnehmung und Erleben.

In meinem Verständnis ist Bewertung weder gut noch schlecht. Sie ist eine Funktion des Verstandes. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie unbewusst bleibt und für eine objektive Wahrheit gehalten wird.

Je bewusster mir meine Bewertungen werden, desto größer wird der Abstand zwischen Wahrnehmung und Reaktion. Genau in diesem Abstand entsteht die Möglichkeit, mich anders zu entscheiden.


Schreibe einen Kommentar