Wollen


Warum will ich, was ich will?

Wollen kann für mich zwei unterschiedliche Intentionen haben: Mangel oder Fülle. Dabei ist weniger entscheidend, was ich will, sondern aus welchem inneren Zustand dieses Wollen entsteht.

Ich kann etwas wollen, weil ich glaube, es zu brauchen. Ohne den Partner, den Job, das Geld, das Auto, Anerkennung oder eine bestimmte Erfahrung fehlt mir etwas. Das Gewollte soll eine Lücke füllen, Sicherheit geben oder mich vollständiger machen. In diesem Wollen steckt eine Bedingung: Erst wenn ich bekomme, was ich will, kann es mir wirklich gut gehen.

Wird dieser Wunsch nicht erfüllt, entstehen schnell Enttäuschung, Widerstand oder das Bedürfnis nach Kontrolle. Ich halte an einem bestimmten Ergebnis fest und lehne innerlich ab, dass die Realität anders aussieht als meine Vorstellung. Dieses Wollen entsteht für mich aus Mangel und letztlich aus Angst: aus der Angst, nicht genug zu haben, nicht genug zu sein, etwas zu verlieren oder ohne etwas Bestimmtes nicht zufrieden sein zu können.

Oder ich kann aus Fülle wollen.

Dann bin ich bereits vollständig und zufrieden mit dem, was ist. Ich brauche das Gewünschte nicht, um mich zu vervollständigen. Ich darf es mir trotzdem wünschen. Ich kann mich auf etwas freuen, eine Entscheidung treffen, etwas verfolgen, gestalten oder erschaffen. Der Wunsch wird dadurch nicht kleiner. Er bekommt nur eine andere Grundlage.

Das Gewünschte ist dann eine Ergänzung, etwas „on top“. Es darf mein Leben bereichern, aber es trägt nicht die Verantwortung für mein Wohlbefinden. Wenn es nicht kommt oder sich anders entwickelt als erwartet, fehlt mir deshalb nichts Wesentliches.

Von außen können beide Formen des Wollens völlig gleich aussehen. Zwei Menschen können sich dieselbe Beziehung wünschen, dasselbe Haus, dieselbe Reise oder denselben Beruf.

Der Unterschied liegt in der Intention dahinter:
Brauche ich das, um vollständig zu sein – oder möchte ich es, obwohl ich bereits vollständig bin?

Auch in Beziehungen wird dieser Unterschied für mich deutlich. Ich kann einen Menschen wollen, weil ich glaube, ohne ihn einsam, unvollständig oder ungeliebt zu sein. Dann entsteht schnell Abhängigkeit. Oder ich kann mit einem Menschen sein wollen, obwohl ich auch ohne ihn vollständig bin. Dann wird Beziehung zu einer bewussten Entscheidung und nicht zur Lösung eines Mangels.

Dasselbe gilt für Arbeit, Besitz, Anerkennung oder Erfahrungen. Ich kann etwas verfolgen, weil ich glaube, damit endlich genug zu sein. Oder ich kann etwas tun, weil es mir entspricht, weil es Freude macht, weil ich gestalten möchte oder weil ich mich bewusst dafür entscheide.

Für mich entscheidet diese innere Ausgangslage darüber, welche Energie ich mit meinem Wollen verbinde. Das Universum hört sehr genau zu. Sende ich Mangel, erfahre ich Mangel. Sende ich Fülle, erfahre ich Fülle.

Deshalb versuche ich nicht, mein Wollen abzuschaffen. Wollen gehört für mich zum Leben. Es gibt Richtung, Bewegung und Entscheidung. Entscheidend ist, dass ich hinschaue, bevor ich einem Wunsch folge.

Was verspreche ich mir davon?
Was soll dadurch in mir entstehen?
Und wäre ich auch dann vollständig, wenn es nicht geschieht?

Deshalb interessiert mich beim Wollen vor allem eine Frage:

Woher kommt mein Wunsch?


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